In den Niederlanden des 17. Jahrhunderts, gerne als „Goldenes Zeitalter“ bezeichnet, erfreute sich in der Malerei das Genre der Winterlandschaft großer Beliebtheit. Denn anders als in vorangegangenen Zeiten, wurde der Winter in den durch Fernhandel wohlhabend gewordenen Nordprovinzen nicht mehr nur mit Frost und Entbehrung assoziiert, sondern mit dem Zeitvertreib unterschiedlichster Bevölkerungsschichten auf dem Eis.

Passend zur Jahreszeit, zeigt die Villa Vauban drei neu in die Sammlung aufgenommene Gemälde niederländischer Künstler aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Eine Winterlandschaft mit Schlittschuhläufern von Jacob Esselens (1626–1687), um die Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden, steht für das ursprüngliche Genre. Das stimmungsvolle, großformatige Gemälde wurde der Villa Vauban kürzlich von Herrn Claude Lebrun geschenkt. Eine weitere Schenkung, in diesem Fall seitens der Amis des Musées, Luxembourg, die Winterlandschaft mit Windmühle und Schlittschuhläufern auf dem Eis von Andreas Schelfhout (1787–1870), versinnbildlicht die Wiederentdeckung der altniederländischen Meister im 19. Jahrhundert. Ein kürzlich vom Museum erworbenes, um 1800 entstandenes Gemälde stammt von Andries Vermeulen (1763–1814), einem auf Winterlandschaften in der Manier des 17. Jahrhunderts spezialisierten Künstler.

Dieses für die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts so typische Bildthema ist einerseits vor dem Hintergrund der „Kleinen Eiszeit“ zu sehen, einer relativen Kälteperiode, die ungefähr von 1500 bis 1850 dauerte. Die damals regelmäßig zugefrorenen Kanäle und Grachten nutzten die Niederländer*innen für vielfältigste Vergnügungen: Neben dem Schlittschuhlauf waren dies das Kolf-Spiel (ähnlich dem heutigen Golf), diverse Schlittenmodelle, auch als Transportmittel, bis hin zu Eis-Yachten, d.h. Segelbooten auf Kufen. In koek-en-zopie-Zelten konnten sich die Eisläufer*innen mit Kuchen und warmen, alkoholischen Getränken versorgen. Darüber hinaus erkannten die Maler in den winterlichen Szenen eine Eigenheit ihrer noch jungen Nation, weshalb man die Gemälde auch als Ausdruck des Stolzes der mit Spanien um ihre Unabhängigkeit ringenden Niederlande betrachten kann.

Die drei Werke werden hier zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert und faszinieren durch ihre Atmosphäre und ihren Detailreichtum sowie den nostalgischen Blick zurück in eine Zeit „echter“ Winter.

Datum

3. Dezember > 17. Mai 2026